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Peter Oberdieck: „Ich lebe nur für den Radsport“

Wer sich morgens um 4 Uhr aufs Rad setzt und in völliger Dunkelheit trainiert, der muss schon etwas „verrückt“ sein. Ist er natürlich nicht, aber „Durchschnitt“ ist Peter Oberdieck auch wieder nicht. Denn der Marathonmann des Team Nutrixxion 4Fun hat einen ausgeklügelten Plan. Im Sommer will er die 760 Kilometer lange Fernfahrt „Aachen-Görlitz“ bestreiten. Und in spätestens drei Jahren dann das Race Across America. Nicht schlecht für einen 62-Jährigen, der erst vor drei Jahren mit dem Radsport begonnen hat und seitdem alles dem Sport untergeordnet hat. „Ich lebe alleine und nur für den Radsport“, sagte Oberdieck. Was für eine Ansage.

 

Als Läufer hat der Essener schon so einiges erreicht. Marathon in 2:32 Stunden, die 100 Kilomter in 8:36 Stunden oder in 24 Stunden 186 Kilometer gelaufen. Vor drei Jahren waren die Knie dann so weit abgenutzt, dass nichts mehr ging. „Mein Orthopäde hat mir geraten, es mit dem Rad zu versuchen“, erzählt der Mann aus dem Ruhrgebiet. Es blieb nicht beim Versuch. Beim Blick auf die Facebook-Seite von Oberdieck muss man zweimal hinschauen: Silvester 2017 saß er sechs Stunden auf dem Rad, fuhr 156 Kilometer mit 1800 HM. Heiligabend saß er ebenso auf dem Rad wie am 1. Weihnachtstag. Am 6. Januar fuhr Oberdieck seinen ersten „200er“. Alles fein notiert und niedergeschrieben. So kamen 2017 gewaltige 34 000 Kilometer zusammen, 313.000 Höhenmeter. Insgesamt saß er 1570 Stunden im Sattel. 

 

Mit einem wissenschaftlichen Trainingsplan kann Oberdieck nicht dienen, ganz ein Mann der alten Schule. „Ich fahre nur mit einem einfachen Tacho, der mir die Geschwindigkeit anzeigt. Ich brauche keinen Watt- oder Pulsmesser. Ich fahre nie im Flachen, sondern immer im hügeligen Bergischen Land“, erklärt der Essener. 80 Prozent seines Trainings bestreite er im ruhigen Tempo. „So mit einem 30er Schnitt, aber immer mit 1000 Höhenmeter pro 100 Kilometer“, fügt er an. Automatisch fragt man sich: „Ein 30er Schnitt soll ruhiges Tempo sein?“ Bei der Saisonauftaktfeier des Team Nutrixxion 4F in Dortmund präsentierte sich Oberdieck dementsprechend: braungebrannt, austrainiert, schon Ende Januar in einer bestechenden Verfassung.

„Ich habe meinen guten Job am Düsseldorfer Kongress Center gekündigt, eine Halbtagsstelle in Essen angenommen, um mein Ziel umsetzen zu können“, erklärt der Essener, der meist allein unterwegs ist, im Vorjahr zwar einige GCC-Rennen bestritt, aber die Enge und Hektik im Rennen nicht unbedingt mag: „Das ist mir alles zu nervös und zu stressig. Und warum soll ich durch halb Deutschland fahren, um ein 100-Kilometer-Rennen zu fahren?“ Dafür war er beim Ötztaler Rad-Marathon dabei. Nach 10:41 Stunden rollte auf Rang 44 in der Kat. Master 3 über die Ziellinie. Nicht übel für seine Premiere.

 

Warum macht ein 62-Jähriger das? „Ich leben meinen Traum“, antwortet Oberdieck. Der Traum heiß Race Across America. 2021 will er dabei sein, will die knapp 5000 Kilometer angehen. Doch vorher warten noch mächtige Hindernisse. Im Sommer bestreitet er sein erstes Ultra-Rennen mit Aachen-Görlitz über 760 Kilometer. Persönliches Ziel: unter 35 Stunden. 2019 soll Flensburg-Garmisch folgen, 1100 Kilometer lang. Da müsse er unter 52 Stunden bleiben, um sich für das RAAM zu qualifizieren. 2020 steht das Race across Germany über 3300 Kilometer an. Ziemlich selbstbewusst geht der Mann aus dem Ruhrgebiet davon aus, dass er sich für das RAAM im Jahr 2021 sportlich qualifiziert wird. Ob die Umsetzung klappt, ist fraglich. 70.000 Euro koste ein Start in den USA. Dann sei er 65 Jahre alt und würde zwei Rekorde brechen: „Ich wäre ältester Finisher und ältester Deutscher sowieso.“

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Tags: story
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